2026-10 | Ein Update zur Zukunft des Bahnhofsgebäudes
Wie geht es eigentlich mit unserem historischen Bahnhofsgebäude in Friemersheim weiter? Eine Frage, die viele Menschen in unserem Stadtteil beschäftigt und natürlich auch uns. Wir möchten deshalb die Gelegenheit nutzen, Sie über die Entwicklungen der vergangenen Jahre, die aktuellen Herausforderungen und unsere weiteren Überlegungen zu informieren.
Seit fast neun Jahren gehört das ehemalige Bahnhofsgebäude in Friemersheim zu unserer Genossenschaft. Während wir unsere Vertreterinnen und Vertreter im Rahmen der Vertreterversammlungen und Vertretergespräche regelmäßig über den aktuellen Stand informiert haben, möchten wir heute auch allen anderen Mitgliedern einen Einblick geben.
Als sich Ende 2017 die Möglichkeit ergab, das bereits seit 2010 leerstehende Gebäude zu erwerben, haben wir diese Chance bewusst ergriffen. Schließlich ist der Bahnhof weit mehr als eine Immobilie. Er prägt das Bild unseres Stadtteils, ist für viele Menschen das Tor nach Friemersheim und ein Gebäude, mit dem sich Erinnerungen und Geschichten verbinden.
Mit dem Erwerb wollten wir dieses Stück Friemersheimer Geschichte langfristig sichern und zugleich einen Beitrag zur positiven Entwicklung unseres Stadtteils leisten.
Viele Ideen und ein großes Ziel
Seitdem haben wir uns mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten beschäftigt und zahlreiche Gespräche mit potenziellen Interessenten geführt, unter anderem aus den Bereichen Gesundheit, Soziales und Gastronomie.
Eine besonders schöne Idee entstand 2018: der „Bürgerbahnhof Friemersheim“. Unter diesem Arbeitstitel entwickelten wir das Konzept eines Ortes, der für Kleinkunst, Veranstaltungen und Versammlungen zur Verfügung stehen und damit einen echten Mehrwert für die Menschen in Friemersheim schaffen sollte.
Doch manchmal entwickeln sich die Dinge anders, als man sie ursprünglich geplant hat.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich seit 2018 grundlegend verändert. Die Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, die Energiekrise und die damit verbundenen erheblichen Steigerungen bei Bau-, Personal- und Finanzierungskosten waren in dieser Form nicht vorhersehbar.
So mussten wir schließlich feststellen, dass sich das damalige Konzept eines Bürgerbahnhofs unter den heutigen Bedingungen wirtschaftlich nicht mehr umsetzen lässt.
Das bedauern wir sehr. Denn von der ursprünglichen Idee, mit dem Bahnhof einen besonderen Ort für Friemersheim zu schaffen, sind wir nach wie vor überzeugt.
Was seitdem passiert ist
Auch wenn man es dem Gebäude von außen nicht unbedingt ansieht, haben wir uns in den vergangenen Jahren intensiv mit seiner Zukunft beschäftigt.
Neben der Prüfung verschiedener Nutzungskonzepte haben wir das Gebäude im notwendigen Umfang instandgehalten und seine Bausubstanz gesichert. Unter anderem wurde das Gebäude entrümpelt, eine nachträglich eingezogene Zwischendecke entfernt und damit die historische Deckenkonstruktion wieder freigelegt. Außerdem wurden alte Öltanks ausgebaut. Aktuell kümmern wir uns um die Beseitigung einer kleineren Undichtigkeit am Dach.

Eine vollständige Sanierung wäre allerdings mit erheblichen Investitionen verbunden. Bereits eine Kostenschätzung unseres begleitenden Architekturbüros aus Mai 2024 belief sich auf rund 2,1 Millionen Euro. Darin enthalten waren im Wesentlichen Maßnahmen an der Gebäudehülle sowie an der technischen Versorgung. Ein vollständiger, auf eine spätere Nutzung abgestimmter Innenausbau war dabei noch nicht berücksichtigt.
Der tatsächliche Investitionsbedarf dürfte heute also noch deutlich höher liegen.

Hinzu kommen die baulichen Besonderheiten des historischen Gebäudes: Hohe Räume, fehlende Wärmedämmung und die Anforderungen des Denkmalschutzes machen eine energetische Sanierung anspruchsvoll. Auch die notwendige technische Erschließung ist mit erheblichem Aufwand verbunden.
Was eine neue Nutzung so schwierig macht
Natürlich haben wir auch geprüft, ob sich das Gebäude zu Wohnungen umbauen ließe. Schließlich sind die Schaffung und Bereitstellung von gutem und bezahlbarem Wohnraum unsere wichtigste Aufgabe. Leider kommt eine solche Umnutzung des Hauptgebäudes aus verschiedenen Gründen nicht in Betracht.
Deshalb haben wir uns insbesondere mit gewerblichen Nutzungsmöglichkeiten beschäftigt. Doch auch hier stehen wir vor einer großen Herausforderung.

Die notwendigen Investitionen müssten langfristig durch entsprechende Mieteinnahmen finanziert werden. Gleichzeitig müssen wir berücksichtigen, welche Gewerbemieten am Standort Friemersheim realistisch erzielt werden können. Bereits vergleichsweise moderate Mieten würden für das Gebäude monatliche Kosten von mehreren Tausend Euro bedeuten, zuzüglich der voraussichtlich hohen Energiekosten. Und selbst damit wäre eine wirtschaftliche Gegenfinanzierung der Investitionen noch nicht erreicht.
Sie sehen: Es fehlt uns nicht an Ideen für den Bahnhof. Die Herausforderung besteht darin, eine Nutzung zu finden, die langfristig funktioniert und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig ist.
Verantwortung für unsere Mitglieder und unseren Stadtteil
Bei all unseren Überlegungen dürfen wir eines nicht aus den Augen verlieren: Als Wohnungsgenossenschaft sind wir in erster Linie unseren Mitgliedern verpflichtet.
Unser satzungsgemäßer Auftrag liegt in der Schaffung und Bereitstellung von qualitativem und preisgünstigem Wohnraum. Diesem Auftrag folgen wir immer mit Priorität.
Die Entwicklung des Bahnhofs geht über diesen eigentlichen Kernauftrag hinaus. Sie ist für uns vor allem ein Engagement für unseren Stadtteil, mit dem wir uns seit Generationen eng verbunden fühlen.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass ein solches Projekt langfristig wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen kann und nicht dauerhaft durch unseren Wohnungsbestand finanziert werden muss.
Denn auch wenn wir uns als Genossenschaft gerne über unseren eigentlichen Auftrag hinaus engagieren, müssen unsere Investitionen stets verantwortungsvoll, nachhaltig und wirtschaftlich tragfähig sein.
Wie es weitergeht
Wir haben den Bahnhof keineswegs aufgegeben. Ganz im Gegenteil.
Wir beschäftigen uns weiterhin mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten und sind offen für Gespräche und Ideen, aus denen sich eine realistische Perspektive für das Gebäude entwickeln könnte.
Darüber hinaus stehen wir seit einiger Zeit in engem Austausch mit der zuständigen Denkmalpflege. Bei mehreren gemeinsamen Begehungen haben wir unter anderem geprüft, welche Fördermöglichkeiten eine Sanierung unterstützen könnten. Diese können zwar einen Beitrag leisten, lösen die grundlegenden wirtschaftlichen Herausforderungen bislang aber nicht.
Einen konkreten Zeitplan können wir Ihnen deshalb heute leider noch nicht nennen. So gerne wir es auch täten: Wir möchten keine Versprechungen machen, die wir möglicherweise nicht einhalten können.
Vielleicht liegt die passende Idee für unseren Bahnhof aber auch noch irgendwo da draußen
Deshalb möchten wir an dieser Stelle ausdrücklich dazu einladen, mit uns ins Gespräch zu kommen. Ganz gleich, ob Sie selbst Interesse an einer Nutzung des Gebäudes haben, ein konkretes Konzept verfolgen, jemanden kennen, für den der Bahnhof interessant sein könnte, oder einfach eine gute Idee mitbringen: Melden Sie sich gerne bei uns! Wir freuen uns über jeden konstruktiven Austausch und sind offen für neue Perspektiven. Entscheidend ist für uns, dass sich daraus eine langfristig tragfähige Lösung entwickeln lässt.
Wir wissen, dass sich viele Menschen in Friemersheim wünschen, dass in das historische Gebäude endlich wieder Leben einkehrt. Diesen Wunsch teilen wir.
Der Bahnhof ist ein Stück Friemersheim und damit auch ein Stück unserer gemeinsamen Geschichte. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam mit guten Ideen, wirtschaftlicher Vernunft und vor allem mit unserer Verbundenheit zu Friemersheim nach einer Zukunft für dieses besondere Gebäude suchen.